![]() |
|
|
Die Stadt in der fruchtbaren Oase am Fluss Zarafschan existierte wahrscheinlich bereits vor über 2500 Jahren. Als wichtiger Punkt an der Hauptroute der Seidenstraße war Samarkand im Laufe der Geschichte immer wieder blühendes Zentrum und Hauptstadt der Region, aber auch regelmäßig Opfer von Eroberungsfeldzügen. Samarkand verfügt, was die zentralasiatische Architektur betrifft, sicherlich über die monumentalsten Bauwerke der Region. Alleine für den Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten benötigt man mindestens ein bis zwei Tage. Hier möchte ich einige vorstellen: Registan
Dies ist wohl der berühmteste Platz Usbekistans. Umgeben von drei gewaltigen Medresen war hier früher ein sandiger Platz (Registan), auf dem Händler und Gaukler saßen, Verlautbarungen stattfanden und Verurteilte hingerichtet wurden. In diesem regen Treiben trafen sich die Bewohner der Stadt in ihren Lederstiefeln und mit Pelzmützen ebenso wie Reisende und Händler, die über die Seidenstraße unterwegs waren. Dieses Treiben fand noch bis ins 20. Jahrhundert statt, wie zahlreiche Fotos belegen. Die drei Medresen sind sehr gut renoviert (auch wenn die Fassaden und Minarette teilweise bedenklich schief sind), sowohl die Eingangsportale als auch die Innenhöfe sind mit feinen Fayence-Mosaiken geschmückt. Auf den ersten Blick wirken alle drei Portale gleich, bei genauer Betrachtung zeigen sie jedoch interessante Unterschiede. An der Westseite des Platzes steht das älteste Gebäude, die Medrese Ulugh Bek. Der Enkel Timurs war Astronom und Förderer verschiedener Wissenschaften, die Fassade des Gebäudes ist abgesehen von den üblichen Verzierungen auch mit Sternen geschmückt. Es handelt sich um das älteste der drei Bauwerke, typisch für diese Zeit wurden hauptsächlich dunkelblaue Fayencen verwendet. Im Innenhof wurde im südlichen Iwan ein (modernes) Denkmal errichtet, das Ulugh Bek und seine Zeitgenossen zeigt (Ulugh Bek sitzt - die anderen müssen stehen). Die Medrese verfügt über einen großen Gebetsraum, der heute für Ausstellungen genutzt wird. Die Medrese Shir Dar (das Tiger-Haus) zeigt eine für den islamischen Raum ungewöhnliche Fassade. Über dem Eingangsportal sind (dem islamischen Bilderverbot eigentlich widersprechend) Figuren dargestellt: ein Tiger mit einer Hirschkuh, über die Aussage des Bildes gibt es verschiedene Deutungen. Auch unterscheidet sich die Farbe der Fassade von der gegenüberliegenden Medrese Ulugh Bek deutlich. Die etwa 200 Jahre später errichtete Medrese Shir Dar zeigt viele Gelb- und Grüntöne, wie man sie zu Ulugh Beks Zeiten noch nicht verwendet hatte.
Die Medrese Tella Kari (die Goldgeschmückte) hat einen sehenswerten Gebetsraum, der
(entsprechend ihrem Namen) mit Vergoldungen üppig ausgeschmückt ist. Die Wand
der Gebetsnische, die Gebetsnische selbst sowie die Kanzel sind besonders
prunkvoll verziert, aber auch an den anderen Wänden gibt es sehenswerte
Kalligraphien und Ornamente. Die feinen Verzierungen in der Kuppel lassen diese
höher erscheinen.
Gur e-MirAuf dem Gelände des heutigen Hotels Afrosiab hatte Timur einen riesigen Palast, gegenüber befand sich ein Komplex aus Medrese und Pilgerherberge mit einem kleinen Mausoleum für einen Heiligen. Als Timurs Enkel Muhammed Sultan starb, ließ er für ihn in diesem Komplex ein großartiges Mausoleum errichten. Timur selbst wollte eigentlich hier nicht begraben werden. Sein Wunsch war es, die letzte Ruhestätte in Schahrisabz, seiner Geburtsstadt, zu finden. Allerdings starb Timur in einem harten Winter auf einem Feldzug nach China, und es war unmöglich, den Leichnam über die verschneiten Wege nach Schahrisabz zu überstellen. Somit wurde auch Timur hier beigesetzt. Unter Timurs Enkel Ulugh Bek wurde das Mausoleum weiter ausgebaut, weiterhin existierten Medrese und Chanaka zu beiden Seiten des Gebäudes, von diesen sind jedoch heute nur mehr die (teilweise wiederaufgebauten) Grundmauern zu erkennen.
Gur e-Mir (das Grab des Fürsten) wurde immer wieder renoviert, auch in den letzten Jahren. Das Hauptgebäude ist somit in hervorragendem Zustand, die Fassaden verziert mit Mosaiken, über dem Grab befindet sich eine hohe doppelschalige gerippte Kuppel. Der Innenraum ist ähnlich der Medrese Tella Kari mit Gold geschmückt. Neben dem Grab Timurs befinden sich weitere, unter anderem das seines Enkels Ulugh Bek, seines Lehrers sowie weiterer Familienmitglieder. Bibi ChanumIn den Jahren 1399 bis 1404 ließ Timur diese Moschee erbauen, die die größte der Welt werden sollte. Unzählige teilweise aus den eroberten Ländern verschleppte Handwerker und Künstler waren an dem Bau beteiligt. Von seinem Feldzug nach Indien hatte er Elefanten mitgebracht, die zum Transport des Baumaterials eingesetzt wurden. Die Moschee erhielt den Namen Bibi Chanum - "Die Liebe/Geliebte Chanum", benannt nach der ältesten Frau Timurs, Sarai Mulk Chanum. Zahlreiche Legenden werden mit ihr und dem Bau der Moschee in Verbindung gebracht, unter anderem eine Geschichte über die Liebesaffäre zwischen ihr und dem Architekten der Moschee....
Ein gewaltiges Eingangsportal führt in den Innenhof, von dem man den Hauptgebetsraum unter der riesigen türkisen Kuppel erreicht. Es wird berichtet, das das Bauwerk bereits bald nach der Fertigstellung zu verfallen begann - mehrere Erdbeben in den folgenden Jahrhunderten erledigten den Rest und im 20. Jahrhundert waren nur noch Ruinen zu sehen. Dann wurde das Bauwerk jedoch aufwändig renoviert und heute sind die wichtigsten Teile der Moschee zumindest von außen wieder in beeindruckendem Zustand und lassen erkennen, dass es sich um eines der größten Bauwerke aus der timuridischen Zeit handelt. Der BazarGleich neben dem Eingangsportal der Moschee befindet sich der Eingang zum Bazar von Samarkand. Auf einem großen Areal werden wie in alten Zeiten Waren aller Art angeboten, unter einem modernen Dach und in neu gebauten Hallen spielt sich orientalisches Treiben ab, wie es nur mehr selten in den großen Städten Usbekistans zu finden ist.
Shah-i-ZindaLaut Legende wurde Kusam Ibn Abbas, ein Vetter des Propheten, hier getötet (tatsächlich war er wahrscheinlich nie hier), stieg in einen tiefen Brunnen hinab und lebt dort bis heute noch - "Shah-i-Zinda" = "der König lebt". Die Stelle seines vermeintlichen Grabes war immer schon Ziel vieler Pilger, und in timuridischer Zeit entstand hier das noch heute erhaltene Mausoleum mit kleiner Moschee. Zahlreiche Timuriden ließen sich unmittelbar neben dem Heiligen bestatten, so dass bald eine Gräberstraße entstand, an der mehrere kleine, aber reich geschmückte Mausoleen liegen. Hier wurden nicht nur Feldherren Timurs, sondern auch Frauen aus seiner Familie beigesetzt. Unterschiedliche Verzierungen an den Fassaden der Mausoleen zeigen, dass Handwerker aus verschiedenen Teilen des großen Reiches zum Bau eingesetzt wurden. Wie viele andere Sehenswürdigkeiten Samarkands waren auch die Mausoleen der Gräberstraße Shah-i-Zinda bereits in sehr schlechtem Zustand, wurden jedoch erst in den letzten Jahren wieder renoviert. Der Ort ist nicht nur Ziel für Touristen, auch viele Usbeken pilgern zum Grab des Heiligen.
|