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Usbekistan - Buchara

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In alten Zeiten mussten Reisende einen beschwerlichen und gefährlichen Weg durch die Wüsten Zentralasiens auf sich nehmen, bis sie endlich in der Ferne die Kuppeln und Minarette der rettenden Oase Buchara erkennen konnten. Heute ist die Stadt von einem breiten grünen Gürtel umgeben, zahlreiche Kanäle bewässern riesige Baumwollfelder. Gute Straßen, eine Eisenbahnlinie und ein Flughafen machen Buchara leicht erreichbar.

Eine der berühmtesten Städte an der Seidenstraße hat bis heute ein einzigartiges Flair erhalten. Die Altstadt von Buchara bildet noch immer einen relativ geschlossenen Bereich und kann leicht zu Fuß erwandert werden. Das eigentliche Zentrum bildet der "Lab-i-Hauz", ein Wasserbecken, das früher zur Versorgung der Stadt mit Wasser diente. In Buchara gab es über 80 derartige Becken ("Hauz"), die in regelmäßigen Abständen aus dem Fluss Zarafshan gefüllt wurden. Hierher kamen die Bewohner, um das in ihren Häusern benötigte Wasser zu schöpfen. Heute gibt es auch in der Altstadt Wasserleitungen, jedoch hat man einige der alten Becken belassen und sie dienen heute der Stadtverschönerung. Am Lab-i-Hauz haben sich in herrlicher Lage zwischen historischen Gebäuden einige kleine Restaurants angesiedelt, hier kann man sich wunderbar von den Strapazen der Besichtigungen erholen. Spieße werden gegrillt und typisch usbekische Gerichte serviert, man kann aber auch einfach bei einem Drink unter den Maulbeerbäumen am Teich in stimmungsvoller Atmosphäre die Seele baumeln lassen und von den alten Zeiten an der Seidenstraße träumen. 

Direkt am Lab-i-Hauz kann man bereits mit dem Rundgang beginnen, hier stehen drei Gebäude aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert: Die Medrese Kukeldasch mit ihrer breiten Fassade, die Chanaka Nadir Divan Begi, einst eine Herberge für Sufis sowie die Medrese Nadir Divan Begi mit ihren ungewöhnlichen bildlichen Darstellungen an der Fassade. Im Innenhof dieser Medrese findet in der wärmeren Jahreszeit täglich eine Folklore-Veranstaltung statt, bei der Tänze aus verschiedenen Regionen Usbekistans vorgeführt werden. Zur Auflockerung gibt es zwischen den Tänzen Modeschau mit usbekisch-europäischen Kreationen, während man an kleinen Tischchen sitzend usbekisches Essen serviert bekommt.

Vom Lab-i-Hauz spaziert man durch ehemalige Handelskuppeln und vorbei an unzähligen kleinen Souvenirläden weiter, vorbei an der Moschee Magok-e-Attari mit einer der ältesten noch erhaltenen Fassaden der Stadt zu den einander gegenüberstehenden Medresen Ulugh Bek und Abdulaziz Khan. Während erstere (benannt nach dem Enkel Timurs) wegen ihrer dunkelblauen Fassade aus feinen Fayence-Mosaiken fasziniert, findet man in der unvollendeten Medrese Abdulaziz Khan mehrere kunstvoll bemalte Muqarnas-Gewölbe.

Von hier ist es nicht mehr weit zum Wahrzeichen Bucharas, dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Kalan-Minarett. Mit mehreren Ornamentbändern aus gebrannten Ziegeln geschmückt hat dieses 50 Meter hohe Minarett sogar Dschingis Khan überlebt, während die daneben liegende Moschee aus dem 16. Jahrhundert stammt, ebenso wie die gegenüberliegende noch heute in Betrieb stehende Medrese Mir-e-Arab.

Einige Schritte weiter kommt man zum Ark, der Festung (oder Zitadelle) der Stadt, in der bis 1920 der Emir von Buchara seinen Sitz hatte. Über eine Rampe und durch ein großes Tor betritt man den Komplex, von dem allerdings nur mehr ein kleiner Teil mit der Moschee und dem Empfangshof des Emirs erhalten ist. In einigen Räumen wurde ein kleines Museum eingerichtet.

Gegenüber der Festung liegt noch ein "Hauz": Bolo Hauz mit der Moschee Bolo Hauz, eine eigenwillige Konstruktion mit einem sehr breiten von geschnitzten Holzsäulen getragenen Eingangsiwan sowie einem großen überkuppelten Gebetsraum dahinter. Mit etwas Glück kann man die Moschee betreten, sie ist heute noch in Betrieb.

Das älteste vollständig erhaltene Gebäude der Stadt, das Samanidenmausoleum, liegt hinter der Moschee Bolo Hauz etwas außerhalb der Altstadt (jedoch trotzdem leicht zu Fuß zu erreichen) im Samaniden-Park, der erst 2005 neu gestaltet wurde. Das ca. 1000 Jahre alte Mausoleum ist ausschließlich mit gebrannten Ziegeln verziert, mit deren Hilfe an der Fassade unzählige unterschiedliche Ornamente gebildet wurden. Obwohl es keine Glasuren gibt, wirkt das Samanidenmausoleum wesentlich feiner und kunstvoller als viele andere Gebäude Usbekistan.

Als zweites Wahrzeichen der Stadt gilt das kleine Torhaus Tschor Minor (vier Minarette). Von der ehemaligen Medrese, gestiftet  von einer turkmenischen Kaufmannsfamilie, ist nur mehr dieses kleine Gebäude erhalten, das jedoch wegen seiner eigenwilligen Konstruktion einzigartig ist.

Natürlich gibt es in Buchara unzählige weitere alte Bauwerke und man könnte mehrere Tage verbringen, um sie alle zu besuchen. Unter den zahlreichen Möglichkeiten sei den Reisenden, die glücklicherweise etwas mehr Zeit in Buchara verbringen dürfen, ein Besuch des Hauses von Khodjaev empfohlen. Am Rande zwischen Altstadt und Neustadt liegt dieses Haus einer reichen Kaufmannsfamilie, die einst mit Karakul - Fellen handelte, Geschäfte im westlichen Europa und Moskau führte und mehrere ähnliche Häuser in Buchara besaß. Der Sohn der Familie, Faizulla Khodjeav (1896 - 1938), war der erste Präsident der Sowjetrepublik Usbekistan, bis er wegen zu starker Kritik hingerichtet wurde, seine Familie verbannte man nach Sibirien. Erst im modernen Usbekistan wurde das Gebäude wieder an die Familie zurückgegeben, für Faizulla Khodjaev errichtete man ein Denkmal (nahe der Kuppel der Geldwechsler).
Nur mehr ein Trakt des alten Kaufmannshauses ist erhalten, dieser wurde jedoch hervorragend renoviert und zeigt das Leben der reichen Leute im 19. Jahrhundert. Das Haus gruppiert sich um einen großen Innenhof und verfügt über eine große Terrasse mit Iwan. Die weißen Fassaden sind bemalt, ebenso die Innenräume, die zusätzlich mit Nischen geschmückt sind. Sowohl islamische und traditionelle Elemente als auch westliche Einflüsse des 19. Jahrhunderts sind erkennbar. Die Einrichtung zeugt vom Reichtum der Familie. Gegen Voranmeldung wird hier in stimmungsvoller Atmosphäre Tee serviert und die Geschichte der Familie erzählt, auch werden traditionelle bucharische Gewänder des 19. Jahrhunderts präsentiert.

Ausflüge in die Umgebung

Bei längerem Aufenthalt in Buchara lohnen sich diverse Ausflüge in die nähere Umgebung der Stadt. Wer kein eigenes Fahrzeug zur Verfügung hat, kann die Ziele trotzdem billig mit dem Taxi (vor der Fahrt Preis aushandeln !!) erreichen.

Sitorai Mohi Kosa / Sommerpalast des Emirs

Das große Gelände des Sitorai Mohi Kosa (in jedem Buch findet sich eine andere Schreibweise) liegt sehr nahe der Stadt und wurde erst 1911 als Sommerresidenz für den letzten Emir Bucharas erbaut. Neben dem schönen Garten, in dem Pfaue gehalten werden, können prunkvolle Räume besichtigt werden, jeder unterschiedlich dekoriert und eingerichtet. Zahlreiche Kunstgegenstände aus Buchara sowie Geschenke, die der Emir von Botschaftern anderer Länder erhalten hatte, werden ausgestellt. Im hinteren Teil des Gartens gibt es in einem kleinen Pavillon sowie im ehemaligen Harem weitere Ausstellungsräume, in denen alte Gewänder und Kunsthandwerk ausgestellt werden.

Tschor Bakr

Etwa 5 Kilometer westlich von Buchara wurde hier der Imam Sayid Abu Bakr begraben, ebenso seine drei Brüder (die vier Bakrs = Tschor Bakr). Sie waren Nachkommen des Propheten, und bald entwickelte sich die Stätte zu einem Pilgerort.
Im 16. Jahrhundert wurden hier eine Moschee, eine Pilgerherberge und eine Medrese gebaut, daneben entstanden viele kleine Mausoleen für die Angehörigen der herrschenden Dynastie. Der Ort wird selten besucht und strahlt eine einzigartige Ruhe aus.

Chanaka Nakschbandi

10 Kilometer östlich vom Buchara entstand im 14. Jahrhundert das Zentrum der Nakschbandi-Bruderschaft, eines Sufi-Ordens, der später in vielen Ländern bekannt war. Der Gebäude wurden erst Anfang des 21. Jahrhunderts renoviert, der Garten neu gestaltet und ein interessantes Museum eingerichtet, in dem der Museumswärter anhand der Exponate viel Interessantes über Sufismus erzählt. Heute ist der Komplex eines der wichtigsten Pilgerziele der Muslime Zentralasiens. Für westliche Reisende ist der Besuch ein beeindruckendes Erlebnis, man sollte sich aber in respektvoller Zurückhaltung durch diese heilige Stätte bewegen.