Geschichte

I. Allgemeine Voraussetzungen
II. Ureinwohner - ab 8000 v.Chr.
III. Libysche Stämme - ab 2000 v.Chr.
IV. Die Garamanten - ab 1500 v.Chr.
V. Griechische Kolonien - Pentapolis - 7. Jh.v.Chr. (Cyrenaika)
VI. Punische Kolonien - Tripolis - 5. Jh.v.Chr.
VII. Römische provincia africa - 1. Jh.v.Chr.
VIII. Das Ende der römischen Macht
IX. Die Araber - 7. Jh.
X. Die Türken - 16.Jh.
XI. Italienische Kolonie
XII. Der 2. Weltkrieg
XIII. Unabhängiges Libyen - 1951
XIV. Gaddafi - 1969

 

I. Allgemeine Voraussetzungen

Durch die Beschaffenheit der Landschaft konnte sich kaum eine Herrschaft auf Dauer im gesamten Land durchsetzen. Im unwegsamen Süden des Landes gab es praktisch immer aufständische Völker, die das Land uneroberbar machten und immer wieder eine Gefahr für die an der Küste Herrschenden darstellten. Andererseits mussten jedoch die Herrscher des Nordens dennoch Beziehungen zum Süden pflegen, um den für den Norden so wichtigen und gewinnbringenden Handel über die Karwanenrouten aufrechterhalten zu können.

II. Ureinwohner - ab 8000 v.Chr.

Zahlreiche Felsbilder im Süden des Landes beweisen, dass große Teile der heutigen Vollwüste vor 10.000 Jahren fruchtbar und bewohnt waren. Hier findet man Gravuren und Malereien von Elefanten, Giraffen, Nashörnern, Krokodilen und anderen Tieren, aber auch Motive offenbar religiösen Inhalts und interessante Darstellungen von Menschen.

Über die damalige Kultur ist allerdings noch wenig bekannt, Forschungen wurden in den letzten Jahren von Fabricio Mori (vor allem im Akakus) sowie von Rüdiger Lutz (im Msak) betrieben.

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III. Libysche Stämme - ab 2000 v.Chr.

Der Name der Libyer ("Lebu") taucht erstmals in ägyptischen Texten des 2. Jahrtausends v.Chr. auf. Ursprünglich wurde damit nur eine Volksgruppe im Gebiet der heutigen Cyrenaika bezeichnet, erst die Griechen bezeichneten später alle libyschen Stämme so.

Vor allem der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschrieb im 5. Jh. v.Chr. die libyschen Stämme sehr ausführlich. Es dürfte sich bei ihnen um Halbnomaden gehandelt haben, die zwar hauptsächlich von der Viehzucht (Rinder, Ziegen, Schafe) lebten, aber auch den Ackerbau bereits kannten. Sie lebten in primitiven Hütten und verwendeten Werkzeuge aus Stein, obwohl Metalle in anderen Ländern schon durchaus üblich waren.

Ihre sehr armselige Lebensweise und das Fehlen einer Schrift dürften der Grund dafür sein, dass wir keine Funde von ihnen haben und auf die spärlichen Informationen der Geschichtsschreiber anderer Völker angewiesen sind. Bei diesen Informationen ist zu beachten, dass keineswegs ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den berichtenden Völkern und den libyschen Stämmen bestand, und diese möglicherweise auch deshalb als besonders primitiv dargestellt wurden.

IV. Die Garamanten - ab 1500 v.Chr.

Ab ca. 1500 v.Chr. entstand im Wadi Adjal im Gebiet des heutigen Fezzan das Reich der Garamanten mit der Hauptstadt Garama (heute Germa). Möglicherweise waren ihre Vorfahren jene Völker, die die Felsmalereien und Felsgravuren im Akakus und im Wadi Mathendous herstellten. Sie waren der mächtigste Stamm Libyens, im Gegensatz zu den anderen in den Wüstengebieten lebenden Stämmen waren sie sesshaft und betrieben sowohl Ackerbau als auch Viehzucht. Auch dürften sie bereits wesentlich fortschrittlicher gewesen sein. Malereien zeigen, dass sie über Wagen, die von Pferden gezogen wurden, verfügten.

Sie betrieben bereits Karawanenhandel zwischen den großen Oasen wie Ghadames und Ghat sowie mit den Völkern an der Küste Tripolitaniens. Ihre Kriegslust und militärische Stärke bewirkten jedoch, dass sie von den Römern als zu mächtig angesehen wurden. Das Garamantenreich wurde in einem römischen Feldzug über Ghadames in den Fezzan 19 v.Chr. fast zur Gänze zerstört. Es konnte sich zwar wieder erholen und galt weiterhin als mächtiges und Karawanenhandel betreibendes Volk im Fezzan, allerdings konnte es den Norden nie wieder nachhaltig bedrohen. Der Einfall der Araber im 7. Jh. n.Chr. dürfte das endgültige Ende des Garamantenreiches bewirkt haben.

Die Garamanten verfügten bereits über eine Schrift, die der heutigen Tuareg-Schrift sehr ähnlich war. Man bezeichnet sie auch als die Vorfahren der Tuareg, die ebenfalls aus dem Fezzan stammen.

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V. Griechische Kolonien - Pentapolis - 7. Jh.v.Chr. (Cyrenaika)

Aufgrund eines Spruches des Orakels von Delphi suchten die Dorer neue Siedlungsgebiete an der libyschen Küste und gründeten 631 v.Chr. Cyrene. Es folgte die Gründung der Hafenstadt Apollonia, in weiterer Folge der Städte Teuchira, Barka und Euhesperises (heute Benghasi). Diese griechischen Kolonien bildeten den Fünfstädtebund (Pentapolis).

Mit den Stämmen des Hinterlandes kam es zwar immer wieder zu Konflikten, die griechischen Kolonien konnten sich jedoch erfolgreich zur Wehr setzen.

Nach dem Tod Alexanders des Großen eroberte der Diadoche Ptolemäus die Cyrenaika, die bis zur Herrschaft der Römer (96 v.Chr.) im Besitz der Ptolemäer blieb.

VI. Punische Kolonien - Tripolis - 5. Jh.v.Chr.

Das Seefahrervolk der Phönizier segelte bereits um 1000 v.Chr. regelmäßig entlang der nordafrikanischen Küste bis nach Spanien, um dort Handel zu betreiben. Es ist anzunehmen, dass sie bereits damals im Bereich des heutigen Tripolitanien anlegten, um vor Unwettern Schutz zu suchen. Allerdings hatte es sich bei diesen Anlegestellen nur um temporäre Siedlungen gehandelt (Reste von Pfahlbauten wurden in Sabratha gefunden).

Erst deutlich nach der Gründung von Karthago im heutigen Tunesien kam es von dort aus zu den Städtegründungen von Oea (heute Tripolis) Lpqy (später Leptis Magna) sowie Sabratha. Eine ständige Besiedlung kann erst ab dem 5. Jh.v.Chr. nachgewiesen werden. Diese drei (somit punischen) Kolonien bildeten den Dreistädtebund (Tripolis). Durch weitere Versuche, die Macht auszudehnen, kam es zu Konflikten mit dem Fünfstädtebund, man konnte sich jedoch auf eine Beilegung des Konflikts und eine Grenzziehung bei Charax einigen.

Rege Handelsbeziehungen mit Schwarzafrika sowie das fruchtbare Umland halfen den punischen Kolonien, sich zu wohlhabenden Städten zu entwickeln. Von den punischen Kriegen blieben sie verschont, so dass sie nach der Zerstörung Karthagos de facto unabhängig agieren konnten. Es kam zu Bündnissen mit Rom und schließlich 46 v.Chr. zu einer friedlichen Eingliederung in das römische Imperium.

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VII. Römische provincia africa - 1. Jh.v.Chr.

Nachdem bereits 96 v.Chr. (nach dem Ende der Ptolemäer) die Cyrenaika an Rom gefallen war, wurde 46 v.Chr. auch Tripolitanien in die römische provincia africa eingegliedert. Diese Eingliederung erfolgte langsam und friedlich, was durchaus im Interesse der Städte Tripolitaniens war. So blieben weiterhin punische Traditionen und Sprache, vor allem aber die wichtigen Handelsbeziehungen zu den Völkern des Südens erhalten. Die nun römischen Städte erfuhren einen weiteren Aufschwung.

Gefahr drohte aus dem Süden, in dem das Reich der Garamanten immer stärker wurde und die Herrscher an der Küste bedrohte. In einem Feldzug quer durch die Wüste wurde das Volk der Garamanten so nachhaltig geschlagen, dass es in weiterer Folge nicht mehr gefährlich werden konnte. Die Römer zogen sich jedoch wieder aus dem auf Dauer nicht beherrschbaren Süden zurück, die Südgrenze bildete die Linie Ghadames - Gariyat - Abu Nijayn, wo heute noch die Überreste römischer Forts zu sehen sind.

Tripolitanien wurde zur Kornkammer Roms. Getreide, Olivenöl und Wein wurden in großen Mengen angebaut und exportiert. Reger Karawanenhandel verhalf den Städten zu großem Reichtum. Ein großer Teil der aus dem Süden kommenden Karawanen steuerte die Küste Tripolitaniens an, da diese hier wesentlich südlicher verlief als im heutigen Algerien bzw. Tunesien und somit die Karawanenwege erheblich verkürzte.

193 n.Chr. wurde der aus Tripolitanien stammende Septimius Severus römischer Kaiser (erster Soldatenkaiser) und verhalf seiner Heimat zu noch mehr Glanz. Aus der Zeit der Severer stammen die meisten der heute wiedererrichteten Prunkbauten in Leptis Magna.

VIII. Das Ende der römischen Macht

Nach dem Ende der Severer im 3. Jh. kam es bald zu einer Schwächung Tripolitaniens, das noch dazu von mehreren schweren Erdbeben stark beschädigt wurde. Stämme des Hinterlandes nutzten die Wehrlosigkeit für Plünderungen und Raubzüge.

Mitte des 5. Jh. endete die römische Macht mit der Besetzung Nordafrikas durch die Vandalen unter Geiserich, nach dessen Tod im Jahr 477 das Vandalenreich allerdings sehr rasch wieder zusammenbrach.

Es folgte eine Besetzung der Gebiete durch Kaiser Justinian. Unter der byzantinischen Zeit waren die Städte erheblich kleiner als zuvor (die heute noch zu sehenden byzantinischen Stadtmauern verliefen durch das ehemalige Stadtgebiet), die Straßenzüge außerhalb der Mauern versandeten. Auch die byzantinischen Städte wurden immer wieder von den Stämmen des Hinterlandes angegriffen und beschädigt.

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IX. Die Araber - 7. Jh.

Den Heeren der Araber, die bereits 647 nach Tripolitanien kamen, hatten die byzantinischen Städte nichts entgegenzusetzen. In einem Eilmarsch eroberten die Anhänger Mohammeds die nordafrikanische Küste. Allerdings ließen sie nur kleine Trupps zurück, die hier keine starke Herrschaft etablieren konnten. Es folgte eine lange Zeit der Wirren, in der es zu schnellen Machtwechseln zwischen Arabern, Berberstämmen, Normannen, Genueser Seefahrern u.a. kam.

X. Die Türken - 16.Jh.

Erst die Türken konnten mit der Besetzung der libyschen Mittelmeerküste im 16 Jh. wieder eine starke Herrschaft aufbauen. Allerdings regierten die türkischen Statthalter weitgehend selbständig, so dass im 18.Jh. die Familie der Karamanlis ein de facto unabhängiges Reich in Tripolitanien aufbauen konnte. Unter ihrer Herrschaft erlebte Tripolitanien eine neue Blüte, die Stämme des Hinterlandes wurden weitgehend unter Kontrolle gebracht, und auch der Karawanenhandel durch die Sahara nahm wieder zu.

Anfang des 19.Jh. wurde die Familie der Karamanlis entmachtet und die Herrschaft wieder von den Türken übernommen.

Bereits zur Zeit der türkischen Herrschaft formierte sich mit dem aus Mekka stammenden Orden der Senussi eine Widerstandsbewegung gegen die Kolonialherren, die jedoch bald in den Süden abgedrängt wurde.

XI. Italienische Kolonie

1912 erklärte Italien die Besetzung der libyschen Gebiete, es kam von türkischer Seite kaum zu nennenswertem Widerstand. Italien war auf der Suche nach neuen Kolonien, in Tripolitanien sollten italienische Bauern angesiedelt werden und das fruchtbare Land wie in alten Zeiten zur Kornkammer Roms machen.

Das faschistische Regime ging brutal gegen die Einheimischen vor. Es kam zu Enteignungen zugunsten der italienischen Siedler, die Libyer wurden nicht nur vertrieben und ins Hinterland verdrängt, hier gab es auch die ersten Konzentrationslager (früher als in Mitteleuropa).

Der Widerstandskampf der Senussi flammte wieder auf, diesmal unter dem Anführer Omar Mukhtar (heute auf dem 10-Dinar-Schein abgebildet). Allerdings verzeichneten die Italiener immer wieder Siege, und die Senussi zogen sich bis nach Kufra zurück, von wo sie schließlich auch vertrieben wurden, Omar Mukhtar wurde hingerichtet.

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XII. Der 2. Weltkrieg

Nach einem Angriff der Deutschen auf britische Truppen in Ägypten kam es zur Gegenoffensive der Briten mit der bekannten Schlacht bei Tobruk (Sieg der Briten), kurz darauf wurde auch Benghasi besetzt. Ein Deutsches Afrikakorps unter der Leitung Rommels kam den Italienern zu Hilfe und verzeichnete zunächst unerwartete Siege. Die Truppen drangen gegen die Briten so schnell in ägyptisches Gebiet vor, dass der Nachschub nicht mithalten konnte. Dies führte zur Katastrophe und schließlich trat Rommel (gegen den Befehl Hitlers) den Rückzug an.

Nach der Kapitulation Italiens wurde der Norden Libyens von den Briten besetzt, der Süden von den Franzosen.

XIII. Unabhängiges Libyen - 1951

Libyen sollte von der UNO auf die Selbständigkeit vorbereitet werden, ein aussichtsloses Unterfangen, gehörte doch Libyen zu den ärmsten Ländern der Erde und verfügte über keinerlei Exportartikel, Ölvorkommen in der Sahara waren noch nicht bekannt.

Es existierte nur eine einzige Asphaltstraße (entlang der Mittelmeerküste), es gab keine libyschen Ärzte, keine ordentliche medizinische Versorgung, keine eigenen Techniker, keine Industrie, keine Bodenschätze, kein organisiertes Schulsystem.

Die UNO konnte sich auf keine zweckmäßige Vorgangsweise einigen, und so beschloss man, den Staat einfach in die Unabhängigkeit zu entlassen, ohne Rücksicht darauf, ob Libyen die Probleme bewältigen konnte.

Im Dezember 1951 rief König Idris das vereinigte Königreich Libyen aus. Idris gehörte dem Orden der Senussi an, der bereits unter den Türken und später unter den Italienern den erbitterten Widerstandskampf gegen die Kolonialmächte geführt hatte.

Als erste Einnahmequelle wurden Luftwaffenstürzpunkte an Briten und Amerikaner verpachtet, ferner große Wüstengebiete an ausländische Ölfirmen, die damals schon Öl in der Sahara vermuteten.

Als Ende der 50er Jahre Öl bester Qualität gefunden wurde, profitierten die Libyer nur wenig davon. Die Gewinne gingen in erster Linie an die ausländischen Ölgesellschaften sowie an das Königshaus, das zunehmend korrupt wurde und wenig ins Land investierte. Die großen Städte im Süden waren immer noch nicht über Asphaltstraßen erreichbar, die Bevölkerung in den Dörfern lebte weiterhin in Lehmhütten ohne ordentliches Schulsystem und ohne medizinische Versorgung.

XIV. Gaddafi - 1969

Am 1.9.1969 kam es durch einen revolutionären Kommandorat unter der Führung von Oberst Muammar Al Gaddafi zu einem Putsch. König Idris war gerade im Ausland.

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