Die jüngsten Ereignisse machen es derzeit unmöglich, Reisen nach Libyen zu unternehmen. Dennoch möchte ich dieses Land hier vorstellen, mit dem Wunsch, dass bald wieder Friede einkehrt und die Libyer ohne Angst und Gewalt wieder einem geordneten Alltag nachgehen können.

Vorbemerkung / Libyen - Ein Reiseland?

Erst seit Mitte der 1990er Jahre war Libyen für Touristen einigermaßen leicht bereisbar, davor besuchten zwar auch einige verwegene Abenteurer diesen riesigen Wüstenstaat, die bürokratischen Hürden, die verwirrenden Einreisebestimmungen und der Ruf Libyens im Westen hielten jedoch den großen Ansturm fern. In den darauf folgenden Jahren nahm der Tourismus stark zu, viele europäische Veranstalter hatten bald Abenteuerreisen und auch Studienreise nach Libyen in ihr Programm aufgenommen. Auch Libyen selbst versuchte, den Tourismus zu fördern, wenn es auch immer wieder Verwirrung über die sich rasch ändernden Einreisebestimmungen gab. Zahlreiche libysche Agenturen boten ihre Dienste an, in den großen Städten entstanden neue kleine Privathotels. Der Tourismus steckte allerdings noch immer in den Kinderschuhen, Organisation und Unterkunft entsprachen noch lange nicht westlichen Anforderungen, die im Tourismus beschäftigten waren zwar überaus freundlich und bemüht, jedoch oft mit unseren Wünschen überfordert - auch eine Studienreise im Norden blieb diesbezüglich ein gewisses Abenteuer. Gerade das mag jedoch manchmal faszinieren, der Reisende traf das Land noch einigermaßen authentisch an. Im Gegensatz zu anderen Ländern wurde man noch nicht als Objekt oder wandelnde Geldbörse betrachtet, sondern freundlich betreut und galt als Gast (Ausnahmen gibt es natürlich auch in Libyen). Der Kontakt zur Bevölkerung gestaltete sich oft schwierig aufgrund der Sprachbarrieren, war jedoch dann fast immer sehr freundschaftlich. Mich faszinierte es immer wieder, mit libyschen Fahrern in der Wüste unterwegs zu sein. Wenn man selbst nur ein bisschen die fremde Mentalität akzeptierte, wurden die Fahrer zu guten Freunden, mit denen man abends am Lagerfeuer nette Stunden verbrachte. War die Barriere einmal gefallen, fand man eine Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft, wie sie in unseren Breiten schon lange nicht mehr existieren.

Libyen als Wüstenstaat bietet natürlich für viele in erster Linie Wüste. Hier kann man erleben, dass die Wüste nicht nur aus Sand und Ebenen besteht, sondern dass es hier neben riesigen Dünengebieten auch imposante Gebirge, liebliche Oasen oder kaum vorstellbare Seen zwischen Dünen gibt. Natürlich gibt es auch endlose menschenfeindliche Landstriche, die zu durchqueren für den Wüstenliebhaber aber auch eine besondere Faszination darstellt.

Auch der Kulturinteressierte kommt hier auf seine Kosten. Hervorragend erhaltene römische Städte wie Leptis Magna, Speicherburgen der Berber im Hinterland an den schroffen Klippen des Jebel Nafusah, aber auch die Jahrtausende alte Karawanenstadt Ghadames sind eine eigene Reise wert.

Toleranz und Rücksichtnahme sind Voraussetzungen für eine Reise nach Libyen. Wer die mitteleuropäische Hektik und Perfektion nicht abzulegen versteht, ist gut beraten, unerforschte Gebiete wie die libysche Sahara zu meiden.

Im hier vorliegenden kleinen Reiseführer möchte ich Ihnen einen groben Überblick über das Land mit einigen besonders interessanten Punkten zur Verfügung stellen.  Viele Fotos sollen das Bild abrunden - das Internet ist nicht das Medium für lange Texte. Natürlich kann hier kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, im Buchhandel gibt es mittlerweile mehrere gute Werke und Reiseführer.

 

Daniel Vanek